Für die Schülerin Nora Vaessen am Berufskolleg Rheydt Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung wurde dies Realität, denn sie war eine der Teilnehmer/innen am Planspiel Kommunalpolitik. Bei diesem Planspiel schlüpfen Schüler in die Rolle von echten Kommunalpolitikern und lernen wie Demokratie im Gemeinderat funktioniert.

In der fiktiven Gemeinde Wattenburg muss nämlich dringend etwas geschehen. Die Schule ist marode, das öffentliche Schwimmbad arbeitet unwirtschaftlich und gleichzeitig kehren immer mehr junge Menschen der Gemeinde, auf der Suche nach Arbeitsstellen, den Rücken. Die finanziellen Mittel für Investitionen der Gemeinde sind begrenzt und die Fraktionen sind unterschiedlicher Auffassung, wo investiert werden muss, damit die Stadt zukunftsfähig bleibt. Die Fraktionen brauchen aber im Stadtrat für Ihre Lösungsvorschläge eine Mehrheit. Aber wie soll man die CDU Fraktion von der Schließung der Grundschule abbringen, wenn doch die Instandhaltungskosten tatsächlich nicht mehr von der Stadt getragen werden können? Und wie soll über wichtige Klimaprojekte entschieden werden, die einerseits hohe Kosten aber andererseits auch finanzielle Fördermittel beinhalten?

Da war in der Stadtratssitzung nicht nur eine Menge Kreativität gefragt, sondern auch Überzeugungskraft, denn die Schüler waren schließlich frühmorgens in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft, vom Elektromeister über die Apothekerin konnten die Schüler ihre Rollen frei wählen, über die sie dann ihre Fraktionszugehörigkeit erwarben. Anschließend konnte jede Fraktion einen Bürgermeisterkandidaten/tin stellen, der sich dann einer öffentlichen Wahl stellen musste. Daher wurden Wahlprogramme erstellt und eine Wahlrede vorbereitet. Am nächsten Tag fand die Arbeit in den Fraktionen statt. Anträge wurden formuliert und Argumente gesammelt. Während des ganzen Spiels informierte eine fünfköpfige Pressegruppe per Liveticker, denn sie waren in die Rolle von Journalisten und Fotografen geschlüpft.

Ein besonderes Highlight war der Besuch von Bürgermeister Ulrich Elsen, der sich als Pate für das Planspiel zur Verfügung gestellt hat. In dem Dschungel von Anträgen war er Nora Vaessen während der Stadtratssitzung eine echte Hilfe, denn so ein Bürgermeisterjob ist eine echte Herausforderung. Doch sind es nicht etwa die vielen Stunden, die man in diese Arbeit investiert, sondern das Finden eines Kompromisses. „Die Schüler haben dies mit Bravour gelöst“, so Ulrich Elsen. Am Ende sollte die Schule nicht geschlossen, sondern saniert werden, um den Zuzug von jungen Familien zu fördern. Die Entscheidung über die Zukunft des Schwimmbades wurde vertagt, da einige Fraktionen noch eine genaue Kostenaufstellung zu ihren Ideen vorlegen müssen, denn schließlich ist der Haushalt der Gemeinde begrenzt.

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